ein übersetzungsversuch (several acts)
martian m. mächler mit Joseph Baan, weather forecast, Elisa Nessler & Lennart Häusser
Ausstellungsinfrastruktur, Booklet zum Mitnehmen, Digitaldruck, geheftet (44 S.), several acts.
05.03.2026 - 11.04.2026
several acts: das programm
Do, 05.03.2026, 18 Uhr,
Ausstellungseröffnung
Elisa Nessler und Lennart Häusser – Ich sitze im Garten, das Wetter ist trüb
Donnerstag
Do, 05.03.2026, 19 Uhr, Performative Lesung
martian m. mächler – heimsuchen (ein übersetzungsversuch & thoughts on a puddle)
Sa, 07.03.2026, 18 Uhr, Performative Lesung
Joseph Baan – the mouth is a wound kept open by language
Sa, 11.04.2026, 14 Uhr – 18 Uhr (mit Pausen), Schreibworkshop
weather forecast – sharing words
Sa, 11.04.2026, 18 Uhr Lesung & Finissage
weather forecast - Geister mit verwehten Haaren (writing with the weather)
Im Sommer 2025 wurde ich von FRISE, durch Ina Arzensek, angefragt, eine Ausstellung innerhalb des Jahresprogramms "Was die Stimme nicht weiss" zu
entwickeln. Wir sprachen über einen Raum, in dem Veranstaltungen und Gespräche stattfinden können. Mein gedanklicher Anknüpfungspunkt dafür ist ein Warteraum, den ich im szenischen Text heimsuchen (seit 2024, siehe Dokumentation hier) ausgearbeitet habe. Er beinhaltet unterschiedliche Räume, Zeitlichkeiten und Gefühle - vor allem jene, die oft als ugly feelings bezeichnet werden: Einsamkeit, Trauer, Wut, das Gefühl stecken geblieben zu sein. Im Text tritt eine shapeshifting Pfütze als Übersetzer auf. Sie bezeugt und bestärkt Zeitsprünge, fragmentierte Selbsterzählungen und erinnert an Kerben und Räume, die in diesem Raum gerade nicht sichtbar sind. Die Pfütze erinnert daran, Fluidität und Ausgefranstheit von Sprache zu üben.
Der gemeinsame Übersetzungsversuch mit Joseph Baan, weather forecast, Elisa Nessler und Lennart Häusser widmet sich deshalb nicht einem bestimmten Text, der innerhalb des Ausstellungsraums übersetzt wird. Es wird nicht eine Sprache in eine andere übertragen. Vielmehr geht es darum, dass sich die unterschiedlichen Räume, Stimmen und nicht-versprachlichtes Wissen begegnen; dass Strategien des Sprechens, Schreibens, Erinnerns und des Umgangs mit Affekten geteilt werden. Die acts hinterlassen Spuren.
Wie können Affekte, Erinnerungen, fragmentierte Erfahrungen mitgeteilt werden – insbesondere jene, die durch Trauma, Vergessen, Dissoziation oder Unsagbarkeit geprägt sind? Wenn Erfahrungen kaum Aufzeichnungen hinterlassen. Was kann wiederholt werden? Wie lesbar gemacht? Wie leben diese Worte und verknüpfte Gefühlslandschaften im Körper? Was brauchen sie? Wie hören wir ihnen zu?
Der Ausstellung gehen Worte, Fäden und Prozesse voraus, die in Form eines Booklets Teil der Ausstellung sind. In den Vorbereitungen und Gesprächen zur Ausstellung hat sich Lauren Berlants Definition von Impasse direkt oder indirekt,
eingefädelt:
«Usually an “impasse” designates a time of dithering from which someone or some situation cannot move forward. In this book’s adaptation [Cruel Optimism, 2011], the impasse is a stretch of time in which one moves around with a sense that the world is at once intensely present and enigmatic, such that the activity of living demands both a wandering absorptive awareness and a hypervigilance that collects material that might help to clarify things, maintain one’s sea legs, and coordinate the standard melodramatic crises with those processes that have not yet found their genre of event.»
Impasse als eine gedehnte und dichte Gegenwart. Ein Raum, in dem aufmerksam gesammelt und gesucht wird, fortlaufend Anpassungen erforderlich sind. In dem vielleicht Falltüren sind. In dem die Idee von Weitergehen komplizierter als Vorwärtsgehen ist.
In diesem Booklet sind Texte abgedruckt, die mit den acts, die im Raum spürbar sind, zusammenhängen, ihnen vorausgehen, Kontexte geben.
(Auszug aus der Publikation zur Ausstellung, Text: martian m. mächler)
Dokumentation der several acts (chronologisch geordnet):
Elisa Nessler und Lennart Häusser – Ich sitze im Garten, das Wetter ist trüb
Ich stehe an einer Kreuzung, die Wege sind mit grauem Schotter bedeckt. Weite Ebenen zu allen Seiten, in der Ferne eine kupfern schimmernde Stadt. Von weitem sehe ich jemanden winken. Ich gehe an Sträuchern und Gräsern vorbei und nähere mich einem Haus, die Türen sind offen, davor eine blühende Wiese. Ich sitze im Garten, das Wetter ist trüb. Es zieht ein Wind vom Horizont her auf.
www.elisanessler.com
martian m. mächler – heimsuchen (ein übersetzungsversuch and thoughts on a puddle)
Eine Person wartet auf Diagnosen und Veränderung, will Masken ablegen und erprobt Selbsterzählungen, die mäandern und sich einkerben. Die Person sucht verkörperte Worte, die helfen, nicht von Erinnerungen oder blockierenden Bühnenbildern verschluckt zu werden. Eine Pfütze erscheint als temporäre Verkörperung eines Übersetzers und Zeugin, die daran erinnert, wie wichtig es ist Worte in ihrer Widersprüchlichkeit und Zeitlichkeiten im Raum zu behalten.
Joseph Baan – the mouth is a wound kept open by language
So, the only way to wield language is through its negation: using language against itself. Oxymorons, contradictions, antitheses, exaggerations, hyperboles, juxtapositions, cacophonies, ellipses, misrepresentations—lies. Some things, we can‘t be clear about. And if I‘m lying, I can‘t know why.
www.josephbaan.com
weather forecast – sharing words
Workshop, anschliessende Lesung "Geister mit verwehten Haaren (writing with the weather)
Wie schreiben und bewegen wir uns als Geister? Wie teilen wir Worte? Wie hilft uns das Wetter dabei über Gefühle zu schreiben und Räume zu entwickeln, in welchen Trauer geteilt werden kann? Wie können wir gemeinsam schreiben? Kann ein eingewachsener Zehennagel beim Schreiben helfen? Wir werden mit somatischen und kollektiven Schreibmethoden arbeiten, die individuelle Autor:innenschaft aufbrechen und ein gemeinsames Geschichten erzählen ermöglichen.
www.esthervorwerk.de
ein übersetzungsversuch (several acts) wurde unterstützt von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, der Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung, und Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung.